PMDS und PMS
Strukturierte Diagnostik und individuell abgestimmte Behandlung der PMDS im Kontext damit verbundenen Begleiterkrankungen wie ADHS
Bis zu 90 %
aller Frauen erleben zumindest zeitweise
prämenstruelle Beschwerden
20 – 30 %
haben ein PMS mit spürbarer
Beeinträchtigung des Alltags
3 – 8 %
erfüllen die Kriterien der schwersten Form,
der PMDS
PMDS - mehr als ein "stärkeres PMS"
Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist eine schwere, oft lange unerkannte Form des prämenstruellen Syndroms (PMS). Betroffene leiden in der zweiten Zyklushälfte unter ausgeprägten psychischen und körperlichen Beschwerden, die den Alltag, die Beziehungen und die berufliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen können.
PMDS ist laut WHO eine anerkannte, eigenständige Erkrankung. Neuere Forschung konnte zeigen, dass sie eine organische, neuroendokrine Grundlage besitzt. PMDS ist damit keineswegs ein als „normal“ hinzunehmender Zustand. Leider findet die Anerkennung als eigenständige Diagnose noch keine Berücksichtigung in der deutschen Regelkodierung.
Ein prämenstruelles Syndrom (PMS) mit körperlichen Beschwerden wie Brustspannen, Blähbauch oder Kopfschmerzen kennen viele Frauen. Bei der PMDS stehen dagegen affektive Symptome im Vordergrund: ausgeprägte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, innere Anspannung, Angst oder depressive Verstimmung. Schätzungen zufolge sind etwa 3 bis 8 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen – entscheidend für die Diagnose ist dabei nicht die Art der Symptome allein, sondern der damit verbundene erhebliche Leidensdruck.
Was sind die Ursachen?
Die genaue Ursache der PMDS ist nicht vollständig geklärt, doch die Forschung der letzten Jahre hat das Störungsbild deutlich besser eingeordnet. Die PMDS ist dabei keine rein psychosomatische Erkrankung im klassischen Sinne, bei der psychische Belastung sich in körperlichen Symptomen ohne nachweisbares organisches Korrelat äußert. Es handelt sich vielmehr um eine neuroendokrine Erkrankung mit organischer Grundlage. Nachweisbare Veränderungen in der Verarbeitung von Sexualhormonen und Neurotransmittern im zentralen Nervensystem erklären, warum sich die Beschwerden vorwiegend psychisch äußern. Psychosoziale Faktoren wie Stress oder frühere Traumatisierungen können den Verlauf zusätzlich beeinflussen, sind aber nicht die eigentliche Ursache der Störung.
Frauen mit PMDS haben in der Regel keine „falschen“ Hormonwerte. Stattdessen scheint das zentrale Nervensystem überempfindlich auf die normalen Schwankungen von Östrogen und Progesteron in der Lutealphase zu reagieren.
Besondere Bedeutung kommt dem Progesteron-Abbauprodukt Allopregnanolon zu, das auf GABA-A-Rezeptoren im Gehirn wirkt. Bei PMDS-Betroffenen scheint die Reaktion auf dieses Molekül verändert zu sein, was Stimmung und Angstregulation beeinflusst.
Auch das Serotoninsystem ist an der Symptomentstehung beteiligt – ein Grund, warum SSRI wirksam sind, selbst wenn sie nur kurzzeitig in der Lutealphase eingenommen werden.
Zwillingsstudien schätzen die Erblichkeit der PMDS auf etwa 30 bis 80 Prozent, was auf eine relevante genetische Komponente hinweist.
Chronischer Stress und traumatische Vorerfahrungen gelten als begünstigende, nicht aber alleinig ursächliche Faktoren.
warten Betroffene bis zur korrekten PMDS-Diagnose
(Quelle: Global Survey der International Association for Premenstrual Disorders (IAPMD), 2018. )
Assoziierte Erkrankungen und Risikofaktoren
Depressionen &
Angsterkrankungen
die häufigsten Komorbiditäten
der PMDS
Endokrine
Erkrankungen
v.a. der Schilddrüse
Traumatische
Erfahrungen
gilt als Risikofaktor
für PMDS
Adipositas
gilt als Risikofaktor
für PMDS
Rauchen
gilt als Risikofaktor
für PMDS
Wie wird PMDS diagnostiziert?
Die Diagnose PMDS wird klinisch gestellt, es gibt keinen Laborwert und keinen Test, der sie beweist. Wegweisend ist der eindeutige zeitliche Zusammenhang zwischen Symptombeginn, Symptomende und der Lutealphase des Zyklus: Die Beschwerden treten in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen mit Einsetzen oder kurz nach der Regelblutung wieder ab. Zur Diagnosesicherung führen wir daher ein prospektives Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen ein – eine reine Rückschau auf frühere Zyklen reicht für eine gesicherte Diagnose nicht aus.
Sichere Diagnose &
frühe Hilfe
International zeigen Erhebungen, etwa der Global Survey der International Association for Premenstrual Disorders (IAPMD), dass Betroffene bis zur korrekten PMDS-Diagnose im Schnitt rund 12 Jahre warten und dabei mehrere Ärztinnen und Ärzte aufsuchen. Häufig werden die psychischen Symptome isoliert betrachtet und ohne Bezug zum Zyklus als Depression oder andere psychiatrische Erkrankung eingeordnet, oder die Beschwerden werden als „normales PMS“ abgetan. Nicht selten bekommen Betroffene zu hören, dass sie mit den Beschwerden leider „leben müssten“.
Wie wird PMDS diagnostiziert?
Die Diagnose PMDS wird klinisch gestellt, es gibt keinen Laborwert und keinen Test, der sie beweist. Wegweisend ist der eindeutige zeitliche Zusammenhang zwischen Symptombeginn, Symptomende und der Lutealphase des Zyklus: Die Beschwerden treten in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen mit Einsetzen oder kurz nach der Regelblutung wieder ab. Zur Diagnosesicherung führen wir daher ein prospektives Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen ein – eine reine Rückschau auf frühere Zyklen reicht für eine gesicherte Diagnose nicht aus.
Sichere Diagnose &
frühe Hilfe
International zeigen Erhebungen, etwa der Global Survey der International Association for Premenstrual Disorders (IAPMD), dass Betroffene bis zur korrekten PMDS-Diagnose im Schnitt rund 12 Jahre warten und dabei mehrere Ärztinnen und Ärzte aufsuchen. Häufig werden die psychischen Symptome isoliert betrachtet und ohne Bezug zum Zyklus als Depression oder andere psychiatrische Erkrankung eingeordnet, oder die Beschwerden werden als „normales PMS“ abgetan. Nicht selten bekommen Betroffene zu hören, dass sie mit den Beschwerden leider „leben müssten“.
Assoziierte Erkrankungen und Risikofaktoren
Depressionen &
Angsterkrankungen
die häufigsten Komorbiditäten
der PMDS
Endokrine
Erkrankungen
v.a. der Schilddrüse
Traumatische
Erfahrungen
gilt als Risikofaktor
für PMDS
Adipositas
gilt als Risikofaktor
für PMDS
Rauchen
gilt als Risikofaktor
für PMDS
PDMS und ADHS
Ein Zusammenhang, der in seiner Häufigkeit oftmals unterschätzt wird, besteht zwischen PMDS und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Bei ADHS handelt es sich um eine neurologischen Entwicklungsstörung, die sich unter anderem durch Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität und innere Unruhe äußert und häufig bis ins Erwachsenenalter fortbesteht. Frauen mit ADHS haben Studien zufolge ein etwa dreifach erhöhtes Risiko, zusätzlich ein PMDS zu entwickeln.
Eine 2025 im British Journal of Psychiatry publizierte Querschnittsstudie (Broughton, Agnew-Blais et al., Queen Mary University of London) fand bei 31 Prozent der Frauen mit klinisch diagnostiziertem ADHS zusätzlich die Kriterien einer PMDS erfüllt, gegenüber nur 9 Prozent der Frauen ohne ADHS. Bei ausgeprägter, aber nicht formal diagnostizierter ADHS-Symptomatik lag das Risiko sogar vierfach höher, und Frauen mit zusätzlicher Depression oder Angststörung waren am stärksten betroffen.
Umgekehrt berichten viele Frauen mit ADHS über eine deutliche prämenstruelle Verschlechterung ihrer Kernsymptome wie Konzentrationsfähigkeit, Impulskontrolle und emotionaler Regulation – ein Phänomen, das als prämenstruelle Exazerbation bezeichnet wird und sich unter anderem durch die hormonelle Beeinflussung dopaminerger Signalwege erklären lässt. Bei bekannter ADHS-Diagnose berücksichtigen wir diesen Zusammenhang gezielt in der Diagnostik, etwa durch die zyklusbezogene Erfassung der Symptomatik, und stimmen die Behandlung entsprechend ab.
Hängen meine Beschwerden mit PMDS zusammen?
Machen Sie hier den PMDS-Selbsttest!
Wie wird PMDS behandelt?
Die Therapie der PMDS orientiert sich am Schweregrad der Beschwerden und wird gemeinsam mit Ihnen festgelegt.
Basismaßnahmen Regelmäßige Bewegung, Stressmanagement und ein Zyklustagebuch zur Selbstbeobachtung bilden die Grundlage jeder Behandlung, auch bei leichteren Verlaufsformen.
Hormonelle Therapie Bei vielen Patientinnen wird zunächst eine Ovulationshemmung erwogen. Kombinierte orale Kontrazeptiva mit dem Gestagen Drospirenon zeigen in Studien die konsistenteste Wirkung auf die affektiven Symptome der PMDS.
Weitere Behandlungsoptionen Je nach Schweregrad und individuellem Beschwerdebild stehen weitere medikamentöse und psychotherapeutische Ansätze zur Verfügung, die wir bei Bedarf gemeinsam mit Ihnen besprechen.
Die Behandlung der PMDS bewegt sich an der Schnittstelle von Gynäkologie, Psychosomatik und ggf. Psychiatrie. Wir nehmen Ihre Beschwerden ernst, klären sie strukturiert ab und erarbeiten gemeinsam mit Ihnen ein Behandlungskonzept, das zu Ihrem individuellen Beschwerdebild und Ihrer Lebenssituation passt.
FAQ - Häufig gefragt
Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) stehen körperliche Beschwerden wie Brustspannen oder Blähbauch im Vordergrund. Bei der PMDS als schwerster Form dominieren affektive Symptome wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmung, verbunden mit erheblichem Leidensdruck und funktioneller Beeinträchtigung.
PMDS ist international als eigenständiges Krankheitsbild etabliert. Im DSM-5 zählt sie zu den depressiven Störungen, in der ICD-11 der WHO hat sie mit GA34.41 einen eigenen Code. Auch in der deutschen Fachliteratur gelten PMS und PMDS als anerkannte Krankheitsbilder, die gynäkologisch und psychotherapeutisch behandelt werden können. Leider hat diese Anerkennung bislang keinen Niederschlag im deutschen Abrechnungssystem der gesetzlichen Krankenkasse gefunden. Dort erscheint die Erkrankung nur als Teil der „prämenstruellen Beschwerden“ (N94.3)
Grundlage ist ein prospektives Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen, mit dem der zeitliche Zusammenhang zwischen Beschwerden und Lutealphase erfasst wird. Ergänzend werden somatische und psychiatrische Differenzialdiagnosen abgeklärt.
PMDS ist eine neuroendokrine Erkrankung mit organischer Grundlage: Das zentrale Nervensystem reagiert überempfindlich auf die normalen hormonellen Schwankungen der Lutealphase. Die Symptome äußern sich überwiegend psychisch, die Ursache ist jedoch keine rein psychische.
Frauen mit ADHS haben ein etwa drei- bis vierfach erhöhtes Risiko für PMDS. Umgekehrt berichten viele Frauen mit ADHS über eine deutliche prämenstruelle Verschlechterung ihrer Kernsymptome.
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und reicht von Basismaßnahmen wie Bewegung und Stressmanagement über hormonelle Therapien bis hin zu weiteren medikamentösen und psychotherapeutischen Ansätzen, die individuell abgestimmt werden.
Die neue Frauenarztpraxis im Bonner Westen mit den Schwerpunkten Krebsvorsorge, Dysplasiesprechstunde und Schwangerenbetreuung.
Öffnungszeiten
-
Montag: 8 - 13 | 14 - 18 Uhr
Dienstag & Mittwoch: 8 - 14 Uhr -
Donnerstag: 8 - 13 | 14 - 18 Uhr
Freitag: 8 - 12.30 Uhr
Und nach Vereinbarung